#39 Sex: Orgasmus, Oh Yeah

#39 – Sex Orgasmus, Oh Yeah

Teil 2

Willkommen bei Wunderwelt Körper!

In Sex Teil 1 hast du gehört, warum sich Geschlechtsverkehr in so vielen Lebewesen durchgesetzt hat und welche gesundheitlichen Vorteile es bringt. Heute geht es um den Orgasmus.

Was ist ein Orgasmus eigentlich? Nicht umsonst wird er auch Höhepunkt genannt. Eine Art Trance während die Glücklichen ein paar Sekunden lang ein äußerst hohes Maß an sexuellem Genuss und Lust fühlen. 12

Um diesen (Höhe)Punkt zu erreichen ist der Rhythmus wichtig. Kling banal, aber der richtige Rhythmus kann der Weg zum Ziel sein. 2  Aber auch anderer Körperteile erfreuen sich Berührungen: Lippen, Brustwarzen, Rektum, Anus und Prostata. Und vor allem der Kopf darf nicht unterschätzt werden. Ich rede von Gedanken. Alleine durch Kopfkino erreichen manche Personen einen Orgasmus.3

Während der sexuellen Stimulation, vor allem aber während der Ejakulation und Orgasmus ist ein bestimmter Teil des Hirns auffallend Inaktiv. Nämlich der Teil der aufmerksam die Umwelt beobachtet. Während des Höhepunkts verschwimmt die Umwelt für diesen besonderen Moment.45

Bei einer Querschnittslähmung wurde das Rückenmark so stark beschädigt, so dass Nervenfasern unterbrochen wurden. Die Betroffenen können Extremitäten nicht mehr oder nur stark eingeschränkt bewegen. Auch Berührungen an diesen Stellen können nicht mehr wahrgenommen werden. 6,7

Spannenderweise tut das der sexuelle Erregung keinen Abbruch. In einer Studie in der sich querschnittsgelähmte Frauen selbst stimulieren, wurden die bekannten Gehirnregionen aktiviert und einige der Versuchsteilnehmerinnen erlebten einen Orgasmus. 5

An dieser Stelle: Danke an den Vagusnerv. Dieser Nervenstrang führt nicht durch das verletzte Rückenmark, sondern quer durch den Körper und verbindet das Hirn mit diversen inneren Organen, wie der Lunge, Verdauungsorgane und offensichtlich auch den Geschlechtsorgane.8

 

Noch ist nicht ganz geklärt, welche Moleküle für den Organsmus zuständig sind und wie sie bei den verschiedenen Geschlechtern wirken. Das Ganze ist ziemlich komplex.9,4,2  Zugegebenermaßen bei Frauen komplexer, als bei Männern. Kein Scherz.

Was man weiß ist, dass während des Orgasmus die glatten Muskelzellen des Geschlechtsbereich in rhythmischen Kontraktionen tanzen.10,11

Zusätzlich wird sowohl vor als auch während des Orgasmus ein Cocktail an Molekülen ausgeschüttet. 2

Ein paar beleuchten wir jetzt: Unter anderem werden die sogenannten Opioide ausgeschüttet.2 Und das fühlt sich einfach toll an. Es wirkt selbstbelohnend. 12

Dann gibt’s natürlich das berühmt-berüchtigte Testosteron.

Bei Männern ist Testosteron wichtig für sexuelles Interesse und Erregbarkeit und im weiteren Sinne auch für die Ejakulation. 13,14 Diese Wirkung wird unter anderem getestet in dem man den Studienteilnehmern Testosteron zuführt und nach einer Zeit wieder wegnimmt. Währenddessen wird der erigierte Penis auf dessen Länge und Festigkeit geprüft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Personen, die diese Studien durchführen nicht genug bezahlt bekommen…

Nerd Tipp: Testosteron ist der Gegenspieler von Oxytocin, dem Kuschelhormon.15 Ein testosterongeladener Typ sucht deshalb weniger das Kuscheln, sondern schnell das Freie.

Mehr dazu in Episode #20: Liebe, Sex & Eifersucht.

Auch Frauen tragen Testosteron in sich, welches sich in der Pubertät verdoppelt.

Aber da der weibliche Organismus dank der Periode, Schwangerschaften und Stillzeit doch um einiges komplexer ist, gibt es noch keine klare Aussage, was diese Hormone in Frauen bewirken. Aber es scheint so, als ob Testosteron auch bei Frauen die sexuelle Erregbarkeit erhöht. 13,14 Auf jeden Fall ist die sexuelle Lust der Frau kurz vor dem Eisprung am Höchsten. 16 Schlau gemacht, Mutter Natur. Schlau, schlau 😉

Im Gegenzug sinkt der Libido bei Männern, sobald sie das weibliche Hormon Östrogen erhalten. Woher man das weiß? Weil früher dieses Hormon Sexualstraftätern verabreicht wurden, um genau den Effekt zu erzielen.

Wenn wir hier über Sex und Orgasmus sprechen, dürfen wir natürlich das Kuschelhormon Oxytocin nicht vergessen. Oxytocin wird vor allem während des Orgasmus ausgeschüttet was zur Folge hat, dass das Kuschelbedürfnis nach dem Geschlechtsverkehr stark steigt. Zusätzlich beeinflusst es die Muskelkontraktionen der weiblichen Geschlechtsorgane. Und praktischerweise hilft das möglichen Spermien schneller zu der Eizelle zu gelangen.

Allerdings ist sowohl die weibliche, als auch männliche Sexualität viel zu komplex, um sie auf ein paar einfache Mechanismen runter zu brechen. Noch bleibt so einiges im Unklaren und die Forschung von der Steifheit der Penisse und die Erregung der weiblichen Organe geht weiter!

Zum Thema weibliche Organe:

Die Klitoris ist DAS Organ der weiblichen Orgasmen. Sie ist ein Organ, welches bei sexueller Erregung anschwellen kann. Ähnlich zu dem Penis. Der Großteil der Frauen benötiget eine Stimulation der Klitoris für einen Orgasmus. 17–19 Der sichtbare kleine Teil ist nur die Spitze des Eisberges. Der Großteil verläuft im Inneren des Körpers, mehrere Zentimeter lang und wirkt wie ein V. Der sichtbare Teil ist die Spitze des Vs. 17,20

Sie ist definitiv kein Selbstläufer, aber mit der vorausgegangenen sexuellen Anregung, hilft die Klitoris vielen Frauen zum Orgasmus. 17–19

 

Dieser Körperteil hat auch in der Vergangenheit viele Interessenten angezogen. So gab es in den 20ern unter anderem die Theorie, dass manche Frauen keinen Orgasmus erlebten und damit als „frigide“ eingestuft worden, weil der Abstand zwischen Klitoris und Vaginalöffnung zu groß war. Die vermeintliche Lösung dafür? Man verlagert die Klitoris in einer OP näher zur Vaginalöffnung. Das Ergebnis: keine Steigerung der Orgasmen, dafür Infektionen bei der Wundheilung. 19

 

Während der durchschnittliche Mann fast immer bis immer während des Geschlechtsverkehrs ejakuliert und einen Orgasmus hat, haben Frauen nur – manchmal – das Glück dazu. Die genauen Zahlen variieren zwischen den Studien.

Außerdem erfahren Männer diesen fast 100%igen Zustand anschließend an die Pubertät. Der Orgasmus der Frau braucht hingegen etwas Zeit zum Reifen. Während Frauen mit Anfang der Volljährigkeit eher selten einen Orgasmus erleben, steigt diese Rate mit dem Alter. 19

Es bleibt dahin gestellt, ob das wirklich von der Anatomie abhängt, oder eher, dass Frauen sich mit steigendem Alter trauen ihre Wünsche zu kommunizieren. Und bestenfalls ein Gegenüber haben, der diese auch versteht.

 

Verstehen wollte man auch, wie das eigentlich aussieht, wenn Frau und Mann Sex haben. Also – wie es von Innen aussieht. Leonardo da Vinci zeichnete im 15. Jahrhundert seine Vorstellung davon. Das Bild zeigt einen geraden Penis innerhalb des weiblichen Körpers.

Anfang der 90er Jahre konnte man etliche bürokratische und soziale Hürden überwinden und trotz des großen Tabus die Missionarsstellung mittels eines MRTs aufzeichnen.

Das Ergebnis: Der weibliche Trakt ist nicht gerade, sondern leicht gebogen und deshalb tut der Penis genau das. Er biegt sich in die Form eines Bumerangs. Wenn dich die Bilder, sowohl von Da Vinci, als auch aus dem MRT, interessieren, dann folge dem Link in den Shownotes. 21,22

https://www.vice.com/de/article/qvgkzw/die-geschichte-des-paars-das-sex-im-mrt-hatte

Man hat außerdem entdeckt, dass nach dem Geschlechtsverkehr die weibliche Blase immer voll war. Obwohl vorher die Versuchsteilnehmerinnen am Klo waren! Das könnte ein schlauer Mechanismus von Mutter Natur sein, um das Risiko von Harnwegsinfektionen zu minimieren. 21,22

 

Fun Fact

Wenn es heiß her geht, ist es bekanntlich nicht die feine Art die Socken anzulassen. Aaaaber angeblich helfen Socken einen Orgasmus zu erreichen. Es geht doch nichts über warme Füße. 23

 

Zusammenfassung

Der Orgasmus ist das Ergebnis von rhythmischen Muskelkontraktionen und einem Molekülcocktail. Unter anderem lässt Testosteron den Libido stärker werden und Oxytocin lässt uns im Anschluss fest an das Gegenüber kuscheln. Während Männer zu fast 100% mit der Ejakulation einen Orgasmus erleben, schwankt die Zahl bei Frauen erheblich. Mit steigendem Alter wird auch die Orgasmuswahrscheinlichkeit bei Frauen höher. Auf jeden Fall hilft es, die gut versteckte Klitoris mit einzubeziehen

Noch mal zur Erinnerung: In den Shownotes findest du den Link zu der Fabletics Aktion. Die findet man übrigens nicht im Web, sondern ausschließlich durch diesen Link!

Bis zum nächsten Mal bei Wunderwelt Körper!

Servus und Baba

www.fabletics.de/wunderwelt

https://www.vice.com/de/article/qvgkzw/die-geschichte-des-paars-das-sex-im-mrt-hatte

  1. Collins Wörterbuch. Orgasm Definition und Bedeutung . Collins Wörterbuch Available at: https://www.collinsdictionary.com/de/worterbuch/englisch/orgasm. (Accessed: 11th February 2022)
  2. Safron, A. What is orgasm? A model of sexual trance and climax via rhythmic entrainment. Socioaffective Neurosci. Psychol. 6, 31763 (2016).
  3. Komisaruk, B. R. & Whipple, B. Non-genital orgasms. Sex. Relatsh. Ther. 26, 356–372 (2011).
  4. Holstege, G. & Huynh, H. K. Brain circuits for mating behavior in cats and brain activations and de-activations during sexual stimulation and ejaculation and orgasm in humans. Horm. Behav. 59, 702–707 (2011).
  5. Georgiadis, J. R. et al. Regional cerebral blood flow changes associated with clitorally induced orgasm in healthy women. Eur. J. Neurosci. 24, 3305–3316 (2006).
  6. Wings for Life. Querschnittslähmung . Wings for Life (2013). Available at: https://www.wingsforlife.com/de/querschnittslaehmung/. (Accessed: 2nd February 2022)
  7. Komisaruk, B. & Whipple, B. Functional MRI of the brain during orgasm in women . Annu. Rev. Sex Res. 16, 62–86 (2005).
  8. MedicalNewsToday. Vagus nerve: Function, stimulation, and further research. MedicalNewsToday Available at: https://www.medicalnewstoday.com/articles/318128#What-is-the-vagus-nerve. (Accessed: 2nd February 2022)
  9. Rowland, D. L. Neurobiology of Sexual Response in Men and Women. CNS Spectr. 11, 6–12 (2006).
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